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Von Bieren, Blondies und Beaches: das bunte australische Identitätenkaleidoskop

Vor einigen Tagen fand hier in Perth ein gigantisches Oktoberfest statt, bei dem halb Westaustralien, in Lederhosen und Dirndl eingekleidet und mit viel Lust auf Bier ausgestattet, zugegen schien.

Das Oktoberfest scheint einfach zur Wahrnehmung deutscher kultureller Identität im Ausland dazuzugehören: Ob im muslimischen Melaka im Herzen Malaysias oder in der abgelegensten Metropole der Welt Perth – Deutsche, Bier und Lederhosen scheinen in den Augen der Welt so sehr zusammenzugehören wie Australier und Kaenguruhs.

Wenn wir in Europa an Australier denken, steht uns sicherlich schnell der rund um die Uhr wellenreitende Surfer mit von der Sonne blondgekuesstem Haar, durchtrainiertem Posterkörper sowie tiefenentspannter Grundattituede vor Augen. Sowie wahlweise auch niedliche gruppenkuschelnde und stets fotoflirtfreudige Koalas, gefaehrliche Giftviecher und Endlosdimensionen (endlose Straende, endlose Wuesten).

Zumindest war das meine Vision dessen, was Australiens Essenz im Grossen und Ganzen ausmachen muesste. Sicherlich lag ich nicht komplett falsch mit meinem heiter zusammengemischten Vorurteilsbaukasten. Aber eben auch nicht so ganz richtig.

Was also konstituiert die australische Mentalitaet, die australische kulturelle Identitaet? Was genau ist ein “typischer Australier”?

Dieser Frage wird in den naechsten Beitraegen nachgespuert. Aspekte, die diesbezueglich thematisiert werden, umfassen:

  • Von Surfern und dem australischen Mannsbild aus dem Busch: australische Identitaet als Identitaet des weissen Mannes
  • Von glattgeleckten Adonissen und reichlich fuelligen TV- Junkies: australische Identitaet zwischen Fitnesswahn und Fernsehfaulheit
  • Von Australien als kleinem Bruder Amerikas versus Australien als braver Tochter Grossbritanniens
  • Australien als gutgelaunter Multikultipott versus Down Under als Angst- und Aggressionshort
  • Von Australiens Identitaet in Abgrenzung zu Asien und zu den Ureinwohnern: die Angst des weissen Mannes um “sein” Land

Zum Auflockerung und zur authentischeren Vermittlung des Themas werdet ihr in Kuerze auch einige Interviews von waschechten Australiern zum Thema lesen koennen.
Wenn Ihr noch andere Aspekte thematisiert sehen wollt, schreibt mir gerne und jederzeit!

Ich muss jetzt auch mal los zum Kaenguruhstreicheln. Und zum Barbecue am Strand. Mit Kaenguruhfleisch (deshalb das Streicheln).

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Typisch westaustralisch ?!

Nach mittlerweile acht Monaten in diesem riesigen Staat, der sechsmal die Flaeche Deutschlands umfasst, ist mir doch so Einiges an Charakteristika aufgefallen, die den stereotyp gezeichneten Europaer vom (West)Australier unterscheidet. Ich waehle hier bewusst die Bezeichnung “Europaer”, denn je weiter weg ich von zu Hause bin, umso staerker fange ich damit an, meine kulturelle Identitaet  vom gesamten europaeischen Kontinent abzuleiten – trotz seiner offensichtlichen und wunderbaren Vielfalt und faszinierenden Unterschiedlichkeit.

Denn der typische “Aussie” ,wie sich die Australier hier gerne selbst nennen, ist  meiner Erfahrung nach von einem ganz anderen Schlag. Ja, unabhaengig davon, dass vor ein oder zwei Jahrhunderten Uropa irischer Farmer oder Uroma britischer Haeftling an den australischen Kuesten eintrudelten – zumindest hier in Westaustralien wird die Mentalitaet teilweise von deutlich anderen Werten dominiert als in “Good old Europe”. Bleiben wir diesem kleinen Post zuliebe dem Schubladendenken treu, so sind folgende Aspekte quasi unleugbare Fakten bezueglich der westaustralischen Mentalitaet und Lebensweise:

  • FREUNDLICHKEIT IM ALLTAGSLEBEN: JA, die Aussies sind normalerweise saufreundlich. JA, auch Busfahrer\ Wurstverkaeufer| Mitarbeiter im oeffentlichen Dienst. Es mag wie aus einem Bilderbuch klingen, aber eine Busfahrt laeuft hier tatsaechlich so ab, dass derBusfahrer einen freundlich begruesst, und – erwartungsfroher Trommelschlag- sogar ANLAECHELT, wenn man einsteigt. Beim Aussteigen bedankt sich der Durchschnittsaussie wiederum freundlich beimBusfahrer mit einem enthusiastisch durch den Bus getraellerten ” THANKS MAATE” (Zur Bedeutung des ungemein wichtigen Wortes Mate im australischen Sprachgebrauch komme ich an spaeterer Stelle).
  • AUSNAHMEN hiervon: nach 20 Uhr sollte man in bestimmten von trinklustigen Mitmenschen frequentierten Vierteln Vorsicht walten lassen. Die Trinkfestigkeit der Westaustralier sucht ihresgleichen und fuehrt nicht selten zu gewaltgepraegten Auseinandersetzungen- was erklaert, wieso man in wirklich jeder Bar am Eingang seinen Pass praesentieren muss.Und wieso einige Clubs sogar den Pass scannen lassen, Mitarbeiter Fingerabdruecke nehmen (es lebe die Freiheit) oder ein huebsches kleines Foto vom Gast anfertigen lassen.Yeah, yeah, nichts fuer schwache Nerven hier;)
  • HUMOR: die Westaustralier necken gerne und habens ganz besonders mit der Schadenfreude. Also bloss nichts zu ernst nehmen, wahrscheinlich ist der Inhalt des Gesagten nicht wortwoertlich  gemeint. (Braucht Training, ich finde mich noch allzu oft mit ratlosem Gesichtsausdruck einem lachenden Aussie gegenueber. What was that?)
  • FIFO- Phaenomen: Maaate, daueber koennte ich ganze Buecher schreiben. FIFO steht fuer “Fly in, fly out”,oder auf gut deutsch “Ein- und ausfliegen”. Dir geht noch kein Licht auf? Macht nichts, das kommt gleich. Western Australia ist der reichste Staat Australiens, und einen Grossteil des Reichtums hat der groesste der sechs australischen Staaten der Bergbauindustrie zu verdanken. Die Abbaugebiete liegen in den unwirtlichen, riesigen Wuestenteilen Westaustraliens sowie in Queensland und beschaeftigen zigtausende Arbeiter, die in bestimmten Schichtsystemen dort ackern.
  • Work- Life- Balance? Nicht wirklich entscheidend bei Arbeitszeiten von meist um die zwoelf Stunden taeglich ( Wochenende gibts in der Industrie nicht) und Schichten, bei denen nicht wenige Arbeiter vier Wochen am Stueck schuften, um dann eine Woche frei zu haben. Fuer die Gesundheit bekoemmlicher sind Schichten wie “8 and 6” -acht Tage “up north”, in den Wuestengebieten im Norden Westaustraliens, sechs Tage frei und zu Hause. Die Unternehmen lassen die Arbeiter ein- und wiederausfliegen, Die Geldbetraege, die in den “Mines” verdient werden, sind fuer europaeisch staemmige Menschlein wie mich schier unglaublich: um die 4000 Dollar monatlich kann eine Reinigungskraft hier verdienen, gut qualifizierte Facharbeiter verdienen schonmal um die 15000 Dollar im Monat.

Naechstes Mal folgen weitere Schlussfolgerungen meiner bisherigen Westaustralienerfahrung: warum Australier auf M+Ms stehen, was es mit der Surfmentalitaet wirklich auf sich hat und was zum Teufel AFL ist. Sowie natuerlich die Frage, wie es um das Verhaeltnis zwischen Aboriginals und den Restaussies steht, und wie  Sportverruecktheit und Uebergewichtsneigung auf westaustralisch  zueinander passen.

Wart ihr schonmal in Westaustralien, oder habt ihr bis jetzt ueberhaupt schonmal etwas bezueglich dieses Staates gehoert? (Nur keine Scheu, bevor ich nach Perth zog, wusste ich kaum, dass diese Stadt ueberhaupt existiert;))

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