Die Heilkraft der Berührung oder: Knuddelt, soviel Ihr koennt!

Die meisten von uns kennen es von Urlauben in südlichen Laendern und Kulturen: Wo der Deutsche sich meist nur zu einem feuchten Hndedruck bequemen mag, werden z.B.  in Italien, Spanien und Frankreich haufenweise Küsschen verteilt – in Spanien und Italien zwei, in Frankreich oftmals gar drei zu Begrüssungen, Verabschiedungen und sonstigen Anlaessen. Letzteres stürzte mich in die totale Konfusion, als ich vor vielen vielen Jahren einmal ob eines Schüleraustausches in den Alltag einer franzoesischen Familie in Bordeaux eingebunden war, grosser Familienbesuch anstand und mir saemtliche Clanmitglieder erwartungsfroh und immer wieder die Wange zwecks Empfangs des ausbleibenden dritten Küsschens hinhielten… Mittlerweile weiss ich es besser und finde, es kann (ausser in Zeiten von Schweingegrippeepidemien oder Herpresvireninvasion) gar nicht genug zwischenmenschliche Waerme verteilt werden. Also her mit den fünf Küsschen! Nicht nur weil ich mich  aufgrund meiner andalusischen Wurzeln als besonders knuddelfreudig einordne, sondern auch, weil dieses eine Vielzahl an Heilwirkungen befoerdert. Wer also ein paar mehr gute Gruende braucht, um seine Mitmenschen von nun an haeufiger mit innigen Umarmungen zu beglücken, der führe sich folgende Fakten zu Gemüte:

  • Berührung signalisert uns, dass es einen Sinn hat, da zu sein. Fehlt ausreichende Berührung in der ersten Lebenszeit und faellt somit diese sinnstiftende Funktion aus, kann es zu schwerwiegenden Folgen kommen.  So heisst es im oesterreichischen Medium Medizin populaer:  „Die psychologisch-biologisch orientierte Forschung hat deutlich zeigen können, dass Berührungslosigkeit in der frühen Kindheit letztlich zum Tod des Organismus führt…Bei einem nicht berührten Organismus sind zudem die Hirn- und die körperliche Entwicklung verzögert oder finden gar nicht statt.“
  • Das Wohlfühlhormon per se, Oxytocin, wird nicht nur beim Sex, sondern auch bei anderen Formen der Berührung ausgeschuettet. Dieses führt gleichzeitig zu einer Abnahme des Stresshormons Cortisols im Blut, besseren Durchblutung sowie zu einer Festigung der emotionalen Bindung zur berührten oder berührenden Person. Berühren beruhigt. Ein wohliges, waermendes Gefuehl der Geborgenheit stellt sich ein.
  • Die Wissenschaft hat sogar herausgefunden, das die optimale Frequenz beim Streicheln die des 40 Mal Streicheln pro Minute ist. Und das Beste: Es ist ganz gleich, um wen oder was es sich handelt. Solange es lebendig ist…;) Also her mit Katze, Hund, Kind oder Freund. Dabei leiten spezielle  Leitungsbahnen die Berührungsreize zum Gehirn, mitten ins Zentrum der Emotionen, ins limbische System. Von dort aus wird die Freisetzung des Hormons Oxytocin gesteuert.
  • Das System von Geben und Nehmen erweist sich hier sogar wissenschaftlich erwiesenermasen als optimal, denn nicht nur Gestreicheltwerden, sondern auch das Streicheln beeinhaltet eine heilsame Wirkung: Eine Studie des Imperial College in London belegte, dass Mütter mit postnatalen Depressionen, die einen Kurs für Babymassage besuchten, sich am Ende des Kurses besser fühlten und eine engere Beziehung zu ihrem Nachwuchs hatten als die depressiven Mütter, die nicht so regelmäßig zu liebevollem Körperkontakt angeleitet wurden.
  • Bei Massagen ist die heilende Wirkung ganz besonders durch Studien untermauerbar:  So koennen diese u.a. essentielle Funktionen des Immunsystems staerken, indem sie  die Anzahl der Killerzellen bei Aids- und Krebspatienten steigern.  Zu den weiteren Heilwirkungen der Massage gehoert die Senkung des Blutdrucks sowie die Verbesserung von Konzentration und Aufmerksamkeit.

Was dahintersteckt? Die Berührungen senken die Stresshormone wie das bereits erwaehnte Cortisol. Und ausserdem gehoert Berührtwerden und Berühren einfach zum Menschsein dazu: so ist der Tastsinn der erste, den wir ueberhaupt entwickeln – darueber, dass Babies alles Greifbare beruehren, lernen sie, sich selbst und die Umwelt zu begreifen. Das Beruehrtwerden ist essentiell fuer die Ausbildung der Identitaet, des Koerper- und Selbstbewusstseins.

Das sollten doch erst einmal genug gute Gruende fuer eine neue kulturelle Revolution des Koerperkontaktes sein! Los und ans Eingemachte also ! Naechste Woche dann erfolgt an dieser Stelle eine wahre Maerchengeschichte fuer Knuddelfreunde: von einer Inderin, die quasi jeden umarmt, der ihr begegnet, und dadurch  Beruehmtheit erlangt hat. Lasst es Euch gut gehen.

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