Skurile Bahnbegegnungen oder: Fahre niemals nach Detroit

Neulich Abends war ich unterwegs zu einer Sunday Sess mit Freunden, einer wohl sehr Pertheigenen Kreation, bei der im Idealfall Ausblick auf die untergehende Sonne ueber dem Indischen Ozean und ein geselliges Beisammensein mit Alkoholika oder wahlweise Apfelsaft besteht.

Dieses Mal brachte mir die sagenhaft schlechte Anschlussverbindung der Transperth Bahnen (wer haette je gedacht, dass ich einmal mit sehnsuechtiger Nostalgie an den Hamburger Verkehrsverbund denken wuerde) jedoch unverhoffte Ueberraschungsbekanntschaften mit einem australisch-indisch-irischen Clownsperformer und Erfinder sowie
einer Eminem-Nachbar-Extrem-Patchworkfamilie.

Kaum stieg ich aus der ersten Bahn aus, sprach mich ein untersetzter Mann mittleren Alters mit dunklem Teint und stahlblauen Augen an: ” YOU are dressed properly for this weather, girl” (DU bist fuer dieses Wetter genau richtig angezogen). Ich war naemlich,
weise alte Frau die ich bin, in Schichten ueber Schichten eingemummelt, waehrend quasi alle anderen Maedels um mich rum halbnackt durch die Weltgeschichte spazierten und den 8 Grad Aussentemperatur freizuegig und leichten Willens trotzten.
Wenige Minuten spaeter und dank der Verspaetung meiner Anschlussbahn um nette 30 Minuten wusste ich, dass mein Gespraechspartner irisches, englisches und indisches  Blut in sich vereinte, noch nie in Europa gewesen war, aber der festen Ueberzeugung war, dass Oesterreich Deutschland annektieren wolle, und es offensichtlich liebte, einen “typisch deutschen” Akzent zur Schau zu stellen. Vielleicht lag das daran, dass er hauptberuflich Clownsperformer in Perths Haupteinkaufsstrasse war. Doch nicht nur das: Ungefragt erfuhr ich darueberhinaus auch, dass der kleine Mann der Erfinder eines Ballersatzes war,den er unaufthaltsam und ohne langes Zoegern auf dem Bahnsteig demonstrierte. Das besagte Teil war ein irgendwie mit Waescheklammern zusammengefriemeltes Etwas, das man aus mir unerklaerlichen Gruenden kicken konnte.

Nach gefuehlten zwei Stunden Zuhoeren empfand ich es als fast schon einen Gnadensakt des Schicksals, als der Clownsperformer eine in der Naehe stehende Gruppe mit in die Demonstration seines Waescheklammermonstrum einbezog. Flugs sprach ich einen aus der Gruppe an- wie ich schnell herausfand, einen vor gerade mal einer Woche von Detroit nach Perth gezogenen US-Amerikaner. Bald klinkten sich auch die anderen Americanos in die Unterhaltung ein, und ich erfuhr heisse News aus einem Land, dessen Boden ich noch nie betreten habe.

Als der junge Mann Detroit als Heimatstadt erwaehnte, kam ich nicht umhin, ihn zu fragen: ” Thats where Eminem is from, right?”  Ich war richtig aufgeregt. Dass die Leute in Detroit aber wirklich so boese sein konnten wie in dem Film 8 Mile, in dem es um Eminems Lebensgeschichte vom Ghettokid zum Superstar geht, fand ich ganz schoen einpraegsam.  ” Yeah, in Detroit brennen die Leute ihre Haeuser ab, um das Geld der Versicherung zu kassieren. Und im Fluss in Detroit kann man nicht schwimmen, weil da tote Koerper rumtreiben, so sagt man”,  erzaehlte mir Nada, 39, Amerikanerin mit libanesischen Wuerzeln. Sehr einladend das Ganze.”Mein Mann hatte seinen Arbeitsplatz direkt neben Eminems alter Wohngegend”, berichtete Nada weiter. “Er wurde allerdings staendig gedisst, da er weiss ist”. So rum gehts also auch, dachte ich mir.

Nadas Mann ist 28 Jahre jung, ihre zwei Soehne, die sie dem angeblich ganz besonders fiesen leiblichen Vater entrissen hat, 14 und 17. Die Familie startet nun ihr neues Leben in Perth- hoffentlich ohne Gedisse, heruntergefackelte Haeuser und Konsorten. Und mit mehr Freizeit. Denn in den USA, so weiss ich nun auch, wird haerter geschuftet und weniger gespielt als in Aussieland. Wenn das mal nicht eine Bestaetigung des Gemeinplatzes ” Australia- the lucky continent” ist.

Categories: Reiselust- Hungry for travel, Reisen | Leave a comment

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