Abenteuerliche Reise in die Wind- und Wuestenregion Pilbara

Dem FiFo (Fly in Fly out) – Phänomen auf der Spur, beschloss ich vor einigen Tagen, mich gen Norden zu machen. Treffen wir eine solche Entscheidung in Deutschland, so bedeutet das meist niederigere Temperaturen und reserviertere Mentalitäten. Doch “up north” – hoch im Norden – auf westaustralisch bedeutet mehr Hitze, mehr Wind und mehr rauhes, harsches Australien.

Up north bedeutet rohe, rote Erde, karges Buschland und verdammt weite Wüstenregionen, bedeutet Känguruhs en masse und eine unbestreitbare Vorliebe für M+M’s.

Das Suchtpotential von M+Ms

M+Ms steht hierbei jedoch nicht für die gleichnahmige Leckerei, sondern für etwas, das gleichermassen erst süss schmeckt und nach immer mehr verlangen laesst, dann jedoch ausserst destruktive Wirkungen entfalten kann. M+Ms sind hier, wo die Uhren  im Schichtsystemrythmus ticken und Hausmieten um die $2000 pro Woche betragen, in aller Munde und stehen fuer die weite Wellen schlagende Verbindung von Miningboom und Moneten. Bevor ich dieses Phänomen genauer unter die Lupe nehmen konnte, hiess es jedoch erst einmal von Perth gen Pilbara-Region fliegen.

Bereits die Reise zum Zielflughafen Karratha erwies sich als kleines Abenteuer: Mein Flug von Perth in den Mining- Hotspot war fuer 6:45 Uhr frueh angesetzt. Mein Wecker ging um 5. Mein Taxifahrer erwies sich als nervenaufreibend ueberpuenktlicher Zeitgenosse: seine von mir um 5:30 eingeplante Aufwartung erfolgte bereits um 5:07 mit einem laaangen, sehr langem Schellen an der Haustuer. Ich konnte die Freude meiner Mitbewohner nur entfernt erahnen.

Was bedeutete die ganze Chose nun im Klartext? Ich hatte volle 7 Minuten Zeit um mich fertigzumachen. Da freut sich das Frauenherz und jubiliert die ungeschminkte Visage. Ich hechtete also mit Zahnputzschaum vor dem Mund und intensiv fluchend die Treppe hinunter und hinaus in das gleissende Scheinwerferlicht. Dort signalisierte ich – in Pyjama und barfuss- dem Taxifahrer mit geschlossenen Augen panisch und mit defensiv ausgestreckten Handflächen: 10 Gnadenminuten bitter noetig!

Irgendwie schaffte ich es, mich dann innerhalb der naeechsten 8 Minuten anzuziehen, mein leider mal wieder nicht allzu leichtes Gepäck die Treppe hinunterzuhieven und mein ungekämmtes Haar sowie mein ungeschminktes, nach Schlaf schreiendes Gesicht unter einem Cap zu verstecken. JA, ich wollte schon lange so unbeschwert, souverän und sexy auf Reisen daherkommen wie all diejenigen, die mit einer Handtasche, einem adretten kleinen Rollkoefferchen und makellos gepflegten Haar koeniglich durch den Flughafen schweben, waehrend sie lasziv an einem Starbuckscoffee, der auch nie zu heiss ist, nippen. Klappt irgendwie nie. Ich fuehlte mich denoch umwerfend. Kein Schluck Wasser, kein Krumen Brot, aber irgendwie war ich in rekordverdächtiger Speedy-Gonzales Zeit fertiggeworden.

Profunde Flughafenerkenntnisse

Am Flughafen bemerkte ich voller Freude, dass sich absolut keine Sau fuer meinen Undone- Look interessierte und spielte mit dem Gedanken, den ganzen ollen Aufwand mit Haare kaemmen, schminken und waschen in Zukunft doch einfach sein zu lassen. Ein Gefuehl der Leichtigkeit machte sich breit, und das trotz meines uralten und schwerem Jansport-Rucksack auf dem Ruecken.

Nach dem Einchecken, dem Durchleuchtetwerden und dem Gate-Finden, fand ich mich zwischen Horden an quasi das Urbild des Mannes personifizierenden Aussie-Arbeitern wieder: Ich fuehlte das weitgehende Fehlen weiblicher Präsenz und die Dominanz gemuetlicher Bierbäuche, unrasierter Dreitagebärte und  tiefer Tonlagen fast schon koerperlich.

Die Maenner wuerden von Perth aus per Flugzeug gen Orte geschickt, deren Namen ich noch nie gehoert hatte und die ob ihrer vermutlichen Winzigkeit und Abgelegenheit nichts Gutes verheissen liessen: “Mount Keith” und Konsorten. Das Einchecken erfolgte im Sekundentakt, und die M+M Sucht der Westaustralier forderte weitere Bewusstseinssklaven.

Ich freute mich darauf, den drei Stunden Schlaf der vorherigen Nacht im Flugzeug weitere zwei folgen zu lassen. “Bummer“, wie man hier sagt (schade, Mist), dass bald darauf eine Verspätung von 1,5 Stunden fuer den Flug nach Karratha angekuendigt wurde. Irgendwie und irgendwann landete ich dann aber doch in der in den 1960ern errichteten Arbeiterstadt. Wieso dort keine Taxis fahren, kuschelige Känguruhs zu Killern werden und die Liebe zu Hunden in Stein gemeisselt wird – bleibt am Ball.

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