Monthly Archives: May 2012

Abenteuerliche Reise in die Wind- und Wuestenregion Pilbara

Dem FiFo- Phaenomen auf der Spur, beschloss ich vor einigen Tagen, mich gen Norden zu machen. Treffen wir eine solche Entscheidung in Deutschland, so bedeutet das meist niederigere Temperaturen und reserviertere Mentalitaeten. Doch “up north” – hoch im Norden – auf westaustralisch bedeutet mehr Hitze, mehr Wind und mehr rauhes,essentielles, harsches Australien. Up north bedeutet rohe, rote Erde, karges Buschland und verdammt weite Wuestenregionen, bedeutet Kaenguruhs en masse und eine unbestreitbare Vorliebe fuer M+M’s.

Das Suchtpotential von M+Ms

M+Ms steht hierbei jedoch nicht fuer die gleichnahmige Leckerei, sondern fuer etwas, das gleichermasen erst suess schmeckt und nach immer mehr verlangen laesst, dann jedoch ausserst destruktive Wirkungen entfalten kann.M+Ms sind hier, wo die Uhren  im Schichtsystemrythmus ticken und Hausmieten um die $2000 pro Woche betragen, in aller Munde und stehen fuer die weite Wellen schlagende Verbindung von Miningboom und Moneten. Bevor ich dieses Phaenomen genauer unter die Lupe nehmen konnte, hiess es jedoch erst einmal von Perth gen Pilbararegion fliegen.

Bereits die Reise zum Zielflughafen Karratha erwies sich als kleines Abenteuer: Mein Flug von Perth in den Mining- Hotspot war fuer 6:45 Uhr frueh angesetzt. Mein Wecker ging um 5. Mein Taxifahrer erwies sich als nervenaufreibend ueberpuenktlicher Zeitgenosse: seine von mir um 5:30 eingeplante Aufwartung erfolgte bereits um 5:07 mit einem laaangen, sehr langem Schellen an der Haustuer. Ich konnte die Freude meiner Mitbewohner nur entfernt erahnen.

Was bedeutete die ganze Chose nun im Klartext? Na kommt schon, so viel Rechenvermoegen muss noch in irgendeiner Ecke des Gehirns aufzufinden sein;)  Ich hatte volle 7 Minuten Zeit um mich fertigzumachen. Da freut sich das Frauenherz und jubiliert die ungeschminkte Visage. Ich hechtete also mit Zahnputzschaum vor dem Mund und intensiv fluchend die Treppe hinunter und hinaus in das gleissende Scheinwerferlicht. Dort signalisierte ich – in Pyjama und barfuss- dem Taxifahrer mit geschlossenen Augen panisch und mit defensiv ausgestreckten Handflaechen: 10 Gnadenminuten bitter noetig! Irgendwie schaffte ich es, mich dann innerhalb der naeechsten 8 Minuten anzuziehen, mein leider mal wieder nicht allzu leichtes Gepaeck die Treppe hinunterzuhieven und mein ungekaemmtes Haar sowie mein ungeschminktes, nach Schlaf schreiendes Gesicht unter einem Cap zu verstecken. JA, ich wollte schon lange so unbeschwert, souveraen und sexy auf Reisen daherkommen wie all diejenigen, die mit einer Handtasche, einem adretten kleinen Rollkoefferchen und makellos gepflegten Haar koeniglich durch den Flughafen schweben, waehrend sie lasziv an einem Starbuckscoffee, der auch nie zu heiss ist, nippen. Klappt irgendwie nie. Ich fuehlte mich denoch umwerfend. Kein Schluck Wasser, kein Krumen Brot, aber irgendwie war ich in rekordverdaechtiger Speedy-Gonzales Zeit fertiggeworden.

Profunde Flughafenerkenntnisse

Am Flughafen bemerkte ich voller Freude, dass sich absolut keine Sau fuer meinen Undone- Look interessierte und spielte mit dem Gedanken, den ganzen ollen Aufwand mit Haare kaemmen, schminken und waschen in Zukunft doch einfach sein zu lassen. Ein Gefuehl der Leichtigkeit machte sich breit, und das trotz meines uralten und schwerem Jansport-Rucksack auf dem Ruecken. Nach dem Einchecken, dem Durchleuchtetwerden und dem Gate Finden, fand ich mich zwischen Horden an quasi das Urbild des Mannes personifizierenden Aussie Arbeitern wieder: Ich fuehlte das weitgehende Fehlen weiblicher Praesenz und die Dominanz gemuetlicher Bierbaeuche, unrasierter Dreitagebaerte und  tiefer Tonlagen fast schon koerperlich. Die Maenner wuerden von Perth aus per Flugzeug gen Orte geschickt, deren Namen ich noch nie gehoert hatte und die ob ihrer vermutlichen Winzigkeit und Abgelegenheit nichts Gutes verheissen liessen: “Mount Keith” und Konsorten. Das Einchecken erfolgte im Sekundentakt, und die M+M Sucht der Westaustralier forderte weitere Bewusstseinssklaven.

Ich freute mich darauf, den drei Stunden Schlaf der vorherigen Nacht im Flugzeug weitere zwei folgen zu lassen. “Bummer”, wie man hier sagt (schade, Mist), dass bald darauf eine Verspaetung von 1,5 Stunden fuer den Flug nach Karratha angekuendigt wurde. Irgendwie und irgendwann landete ich dann aber doch in der in den 1960ern errichteten Arbeiterstadt. Wieso dort keine Taxis fahren, kuschelige Kaenguruhs zu Killern werden und die Liebe zu Hunden in Stein gemeisselt wird – bleibt am Ball.

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Typisch westaustralisch ?!

Nach mittlerweile acht Monaten in diesem riesigen Staat, der sechsmal die Flaeche Deutschlands umfasst, ist mir doch so Einiges an Charakteristika aufgefallen, die den stereotyp gezeichneten Europaer vom (West)Australier unterscheidet. Ich waehle hier bewusst die Bezeichnung “Europaer”, denn je weiter weg ich von zu Hause bin, umso staerker fange ich damit an, meine kulturelle Identitaet  vom gesamten europaeischen Kontinent abzuleiten – trotz seiner offensichtlichen und wunderbaren Vielfalt und faszinierenden Unterschiedlichkeit.

Denn der typische “Aussie” ,wie sich die Australier hier gerne selbst nennen, ist  meiner Erfahrung nach von einem ganz anderen Schlag. Ja, unabhaengig davon, dass vor ein oder zwei Jahrhunderten Uropa irischer Farmer oder Uroma britischer Haeftling an den australischen Kuesten eintrudelten – zumindest hier in Westaustralien wird die Mentalitaet teilweise von deutlich anderen Werten dominiert als in “Good old Europe”. Bleiben wir diesem kleinen Post zuliebe dem Schubladendenken treu, so sind folgende Aspekte quasi unleugbare Fakten bezueglich der westaustralischen Mentalitaet und Lebensweise:

  • FREUNDLICHKEIT IM ALLTAGSLEBEN: JA, die Aussies sind normalerweise saufreundlich. JA, auch Busfahrer\ Wurstverkaeufer| Mitarbeiter im oeffentlichen Dienst. Es mag wie aus einem Bilderbuch klingen, aber eine Busfahrt laeuft hier tatsaechlich so ab, dass derBusfahrer einen freundlich begruesst, und – erwartungsfroher Trommelschlag- sogar ANLAECHELT, wenn man einsteigt. Beim Aussteigen bedankt sich der Durchschnittsaussie wiederum freundlich beimBusfahrer mit einem enthusiastisch durch den Bus getraellerten ” THANKS MAATE” (Zur Bedeutung des ungemein wichtigen Wortes Mate im australischen Sprachgebrauch komme ich an spaeterer Stelle).
  • AUSNAHMEN hiervon: nach 20 Uhr sollte man in bestimmten von trinklustigen Mitmenschen frequentierten Vierteln Vorsicht walten lassen. Die Trinkfestigkeit der Westaustralier sucht ihresgleichen und fuehrt nicht selten zu gewaltgepraegten Auseinandersetzungen- was erklaert, wieso man in wirklich jeder Bar am Eingang seinen Pass praesentieren muss.Und wieso einige Clubs sogar den Pass scannen lassen, Mitarbeiter Fingerabdruecke nehmen (es lebe die Freiheit) oder ein huebsches kleines Foto vom Gast anfertigen lassen.Yeah, yeah, nichts fuer schwache Nerven hier;)
  • HUMOR: die Westaustralier necken gerne und habens ganz besonders mit der Schadenfreude. Also bloss nichts zu ernst nehmen, wahrscheinlich ist der Inhalt des Gesagten nicht wortwoertlich  gemeint. (Braucht Training, ich finde mich noch allzu oft mit ratlosem Gesichtsausdruck einem lachenden Aussie gegenueber. What was that?)
  • FIFO- Phaenomen: Maaate, daueber koennte ich ganze Buecher schreiben. FIFO steht fuer “Fly in, fly out”,oder auf gut deutsch “Ein- und ausfliegen”. Dir geht noch kein Licht auf? Macht nichts, das kommt gleich. Western Australia ist der reichste Staat Australiens, und einen Grossteil des Reichtums hat der groesste der sechs australischen Staaten der Bergbauindustrie zu verdanken. Die Abbaugebiete liegen in den unwirtlichen, riesigen Wuestenteilen Westaustraliens sowie in Queensland und beschaeftigen zigtausende Arbeiter, die in bestimmten Schichtsystemen dort ackern.
  • Work- Life- Balance? Nicht wirklich entscheidend bei Arbeitszeiten von meist um die zwoelf Stunden taeglich ( Wochenende gibts in der Industrie nicht) und Schichten, bei denen nicht wenige Arbeiter vier Wochen am Stueck schuften, um dann eine Woche frei zu haben. Fuer die Gesundheit bekoemmlicher sind Schichten wie “8 and 6” -acht Tage “up north”, in den Wuestengebieten im Norden Westaustraliens, sechs Tage frei und zu Hause. Die Unternehmen lassen die Arbeiter ein- und wiederausfliegen, Die Geldbetraege, die in den “Mines” verdient werden, sind fuer europaeisch staemmige Menschlein wie mich schier unglaublich: um die 4000 Dollar monatlich kann eine Reinigungskraft hier verdienen, gut qualifizierte Facharbeiter verdienen schonmal um die 15000 Dollar im Monat.

Naechstes Mal folgen weitere Schlussfolgerungen meiner bisherigen Westaustralienerfahrung: warum Australier auf M+Ms stehen, was es mit der Surfmentalitaet wirklich auf sich hat und was zum Teufel AFL ist. Sowie natuerlich die Frage, wie es um das Verhaeltnis zwischen Aboriginals und den Restaussies steht, und wie  Sportverruecktheit und Uebergewichtsneigung auf westaustralisch  zueinander passen.

Wart ihr schonmal in Westaustralien, oder habt ihr bis jetzt ueberhaupt schonmal etwas bezueglich dieses Staates gehoert? (Nur keine Scheu, bevor ich nach Perth zog, wusste ich kaum, dass diese Stadt ueberhaupt existiert;))

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